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Myers Cocktail: Der Klassiker unter den Nährstoffinfusionen

Myers Cocktail: Zusammensetzung, Wirkung, Anwendung und Bezug – was die Studienlage zur klassischen Nährstoffinfusion aus Magnesium, B-Vitaminen und Vitamin C zeigt.

Katerina Petrovska
Approbierte Apothekerin · Aposchwan
···6 min Lesezeit·Apotheker-geprüft
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Myers Cocktail: Der Klassiker unter den Nährstoffinfusionen

Der Myers Cocktail ist die bekannteste Nährstoffinfusion der Welt — eine Mischung aus Magnesium, B-Vitaminen, Calcium und Vitamin C. Dieser Beitrag ordnet Zusammensetzung, Wirkung und Studienlage der klassischen Infusion für Fachkreise neutral ein.

Auf einen Blick

  • Der Myers Cocktail ist eine intravenöse Kombination aus Magnesium, Calcium, B-Vitaminen und Vitamin C, die auf den US-Arzt John Myers zurückgeht und von Alan Gaby standardisiert wurde.
  • Die Einzelkomponenten (v. a. Magnesium IV, Vitamin C IV) sind besser untersucht als die Kombination; die kontrollierte Studienlage zum Gesamtkonzept ist dünn.
  • Indikationsstellung, Zusammenstellung und Verabreichung gehören in ärztliche bzw. heilpraktische Hand; die korrekte, sterile Zubereitung ist entscheidend.

Pflichthinweis gemäß §4 HWG: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.

Was ist der Myers Cocktail?

Der Myers Cocktail ist eine intravenöse Nährstoffinfusion, die auf den amerikanischen Arzt John Myers (1930–1984) zurückgeht. Myers behandelte ab den 1960er-Jahren Patienten mit einer Mischung aus Vitaminen und Mineralstoffen per Infusion. Nach seinem Tod führte der Arzt Alan Gaby die Therapie fort und veröffentlichte 2002 einen vielbeachteten Übersichtsartikel, der die Zusammensetzung standardisierte und klinische Erfahrungen aus über 1.000 Behandlungen zusammenfasste.

Die klassische Myers Cocktail Zusammensetzung umfasst:

  • Magnesiumchlorid (2–5 ml einer 20%igen Lösung)
  • Calciumgluconat (1–3 ml einer 10%igen Lösung)
  • Vitamin-B-Komplex (B1, B2, B3, B5, B6)
  • Vitamin B12 (Hydroxocobalamin, 1.000 µg)
  • Vitamin C (2,5–5 g Ascorbinsäure)
  • Trägerlösung: NaCl 0,9 % oder steriles Wasser

In der Praxis existieren zahlreiche Variationen; manche Therapeuten ergänzen Zink, Selen oder Glutathion. Die Myers Cocktail Infusion wird als langsamer IV-Push (10–15 Minuten) oder als Kurzinfusion (20–30 Minuten) verabreicht. Verwandte Konzepte sind in der orthomolekularen Anwendung des Myers-Cocktails vertieft.

Myers Cocktail: Wirkung durch Synergien

Das Prinzip beruht auf der gleichzeitigen intravenösen Gabe mehrerer essenzieller Mikronährstoffe. Jede Komponente hat eine eigene pharmakologische Begründung:

Magnesium ist Kofaktor in über 300 enzymatischen Reaktionen (u. a. ATP-Synthese, Muskelrelaxation, Neurotransmitter-Regulation). Intravenös verabreichtes Magnesium erreicht höhere Serumspiegel als die orale Supplementierung und umgeht deren abführende Wirkung in hohen Dosen.

B-Vitamine sind essenzielle Kofaktoren im Energiestoffwechsel; besonders B12 und B6 sind für Nervenfunktion und Homocystein-Metabolisierung relevant. Bei Resorptionsstörungen kann die orale Aufnahme unzureichend sein.

Vitamin C unterstützt in den eingesetzten Dosierungen (2,5–5 g) die Immunfunktion und wirkt als Antioxidans.

Calcium stabilisiert Zellmembranen und kann ein magnesiumbedingtes Druckgefühl in der Brust abmildern.

Katerina Petrovska, Approbierte Apothekerin: „Die Indikationsstellung für eine intravenöse Nährstoffgabe sollte sich aus fachlicher Sicht auf einen erhobenen Befund und die jeweils gültige Fachinformation stützen; die klinische Datenlage variiert je nach Wirkstoff und Indikation, weshalb eine engmaschige Verlaufskontrolle aus fachlicher Sicht zentral ist."

Anwendungsgebiete

Der Myers Cocktail wird bei einer breiten Palette von Beschwerden eingesetzt; die Evidenz variiert je nach Indikation:

  • Chronische Müdigkeit und Erschöpfung: die häufigste Indikation. Gaby berichtete bei einem Großteil der behandelten Personen über eine subjektive Besserung der Fatigue; kontrollierte Studien sind begrenzt.
  • Migräne und Spannungskopfschmerzen: Intravenöses Magnesium hat in mehreren Studien eine akute Wirkung bei Migräne gezeigt (Mauskop & Varughese 2012); der Myers Cocktail erweitert diesen Ansatz um B-Vitamine und Vitamin C.
  • Fibromyalgie: Ali et al. (2009) berichteten in einer randomisierten, placebokontrollierten Pilotstudie (n=34) über Verbesserungen der Schmerz- und Stimmungswerte in der Verumgruppe, jedoch ohne durchgehende statistische Signifikanz.
  • Akute Infekte und Infektanfälligkeit: Die Kombination aus Vitamin C, B-Vitaminen (und ggf. Zink) kann die Immunantwort unterstützen.
  • Asthma bronchiale: Intravenöses Magnesium ist bei schwerem Asthma klinisch etabliert (Rowe et al. 2000).
  • Saisonale Allergien: Klinische Erfahrung deutet auf symptomreduzierende Effekte hin; kontrollierte Studien fehlen.

Dosierung und Verabreichung

ParameterStandard-PushKurzinfusion
Gesamtvolumen20–30 ml100–250 ml
Verabreichunglangsamer IV-Push, 10–15 minInfusion, 20–45 min
Frequenz1× pro Woche1× pro Woche
Therapiedauer4–8 Sitzungen4–8 Sitzungen

Praxistipps:

  • Bei der Push-Methode auf langsame Injektion achten — zu schnelle Magnesiumgabe kann Hitzewallungen, Hypotension und Übelkeit verursachen.
  • Calcium und Magnesium nicht in derselben Spritze mischen (Ausfällungsgefahr); sequenziell oder in ausreichend verdünnter Lösung geben.
  • Vor der Erstbehandlung Serumelektrolyte (Magnesium, Calcium, Kalium) bestimmen.
  • Patienten sollten vor der Infusion gegessen haben — Kreislaufreaktionen treten häufiger nüchtern auf.
  • Verabreichung ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal.

Aktuelle Studienlage

Die wissenschaftliche Evidenz zum Myers Cocktail ist begrenzt, aber wachsend:

  • Gaby (2002): umfassende Übersichtsarbeit auf Basis klinischer Erfahrungen mit über 1.000 Infusionen; berichtet werden positive Effekte u. a. bei Migräne, Asthma und Fatigue. Einschränkung: keine kontrollierte Studie.
  • Ali et al. (2009): die bislang einzige randomisierte, placebokontrollierte Studie zum Myers Cocktail (Fibromyalgie, n=34) mit Verbesserungen in der Verumgruppe ohne durchgehende statistische Signifikanz.
  • Mauskop & Varughese (2012): Review zur Wirksamkeit von intravenösem Magnesium als Einzelsubstanz bei Migräne.

Ehrliche Einordnung: Der Myers Cocktail ist klinisch weit verbreitet und hat eine lange Tradition in der komplementären Medizin; die kontrollierte Studienlage ist jedoch dünn. Die Einzelkomponenten sind jeweils besser untersucht als die Kombination.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Häufige Nebenwirkungen:

  • Wärmegefühl, Flush (magnesiumbedingt) — harmlos, lässt nach
  • lokale Venenreizung an der Einstichstelle
  • metallischer Geschmack — vorübergehend
  • Blutdruckabfall bei zu schneller Verabreichung
  • selten Übelkeit, Schwindel oder vasovagale Reaktion

Kontraindikationen:

  • schwere Niereninsuffizienz (Magnesium- und Vitamin-C-Akkumulation)
  • Hyperkaliämie oder Hyperkalzämie
  • G6PD-Mangel (wegen der Vitamin-C-Komponente bei höheren Dosen)
  • gleichzeitige Digitalis-Therapie (Calcium-Wechselwirkung)
  • bekannte Allergien gegen enthaltene Bestandteile
  • Schwangerschaft (keine ausreichenden Daten für die Kombination)

Worauf sollten Sie bei der Beschaffung achten?

Der Myers Cocktail wird in der Praxis aus Einzelkomponenten zusammengestellt — das erfordert pharmazeutisches Know-how:

  • Kompatibilität: Nicht alle Bestandteile sind in derselben Lösung stabil; insbesondere Calcium und Magnesium können in konzentrierter Form ausfallen. Validiertes Mischprotokoll nutzen oder sequenziell verabreichen.
  • Sterilität: Jede Zubereitung muss unter aseptischen Bedingungen erfolgen; idealerweise zugelassene Einzelkomponenten verwenden.
  • Haltbarkeit: frisch zubereitete Infusionslösungen sofort verwenden, keine Lagerung über Nacht.
  • Dokumentation: Chargenrückverfolgung aller verwendeten Arzneimittel sicherstellen.

Fachliche Einordnung / Stimmen aus der Forschung

Die folgenden Fachpublikationen ordnen Chemie, Pharmakokinetik und klinischen Einsatz neutral ein:

Dr. med. Sybille Freund beschreibt in ihrem Buch „Der unterschätzte Cofaktor B6" die wissenschaftliche Evidenz zu Vitamin B6 als essentiellem Kofaktor im Stoffwechsel und liefert eine umfassende Analyse der aktuellen Studienlage zur Mikronährstofftherapie (mentoren-verlag.de).

Die Autoren der Übersichtsarbeit beschreiben in einem AKOM-Fachbeitrag (2024), dass der Myers' Cocktail vor allem in den USA in den 1990er-Jahren von Ärzten als intravenöse Mikronährstofftherapie im Bereich der Longevity-Medizin etabliert wurde (praxis-wagener.ch).

Dr. Alan Gaby beschreibt in seiner Übersichtsarbeit im Alternative Medicine Review (2002), dass der Myers' Cocktail bei einer Vielzahl von Beschwerden wie chronischer Müdigkeit, Migräne und Asthma klinisch positive Effekte gezeigt habe, wenngleich kontrollierte Studien zum Zeitpunkt der Publikation fehlten (msdmanuals.com).

Die Autoren der Studie untersuchten in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Pilotstudie die Wirkung des Myers' Cocktails bei Fibromyalgie und postulieren, dass intravenöse Mikronährstofftherapie einige Symptome lindern kann, jedoch weitere kontrollierte Studien erforderlich seien (msdmanuals.com).

Bezug über die Apotheke

Über aposchwan.com sind passende Präparate für Fachkreise verfügbar. Der Bezug erfolgt nach den arzneimittelrechtlichen Bestimmungen. Wirkstoff, Stärke und Darreichungsform werden ärztlich verordnet; die Anwendung kann durch Heilpraktiker im Rahmen der berufsrechtlich erlaubten Tätigkeit erfolgen.

Pflichthinweis gemäß §4 HWG: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.

Quellen

  • Gaby AR. Intravenous nutrient therapy: the "Myers' cocktail". Alternative Medicine Review. 2002;7(5):389-403. PMID: 12410623
  • Mauskop A, Varughese J. Why all migraine patients should be treated with magnesium. Journal of Neural Transmission. 2012;119(5):575-579. doi:10.1007/s00702-012-0790-2
  • Ali A, Njike VY, Northrup V, et al. Intravenous Micronutrient Therapy (Myers' Cocktail) for Fibromyalgia: A Placebo-Controlled Pilot Study. The Journal of Alternative and Complementary Medicine. 2009;15(3):247-257. doi:10.1089/acm.2008.0410
  • Rowe BH, Bretzlaff JA, Bourdon C, et al. Magnesium sulfate for treating exacerbations of acute asthma. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2000;(2):CD001490. doi:10.1002/14651858.CD001490

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Myers Cocktail Zusammensetzung?
Die klassische Mischung enthält Magnesiumchlorid, Calciumgluconat, einen Vitamin-B-Komplex, Vitamin B12 (Hydroxocobalamin) und Vitamin C in einer Trägerlösung. In der Praxis gibt es Variationen, teils ergänzt um Zink, Selen oder Glutathion.
Wie schnell spürt man die Wirkung eines Myers Cocktails?
Viele berichten über ein Wärmegefühl und gesteigertes Wohlbefinden während oder direkt nach der Infusion. Bei chronischen Beschwerden werden nachhaltigere Effekte meist erst nach mehreren Sitzungen beschrieben; kontrollierte Studien zum Gesamtkonzept sind begrenzt.
Welche Erfahrungen gibt es mit dem Myers Cocktail?
Berichtete Erfahrungen beziehen sich vor allem auf Fatigue, Migräne und Infektanfälligkeit. Diese subjektiven Rückmeldungen ersetzen keine kontrollierten Studien — die belastbarste Evidenz liegt für die intravenösen Einzelkomponenten Magnesium und Vitamin C vor.
Gibt es fertige Myers-Cocktail-Lösungen?
In Deutschland gibt es keine Zulassung für einen Myers Cocktail als fertiges Kombinationspräparat. Die Infusion wird aus zugelassenen Einzelkomponenten (Ascorbinsäure zur Injektion, Magnesiumsulfat, B-Komplex u. a.) zusammengestellt.
Welche Laborwerte sollten vorher bestimmt werden?
Empfohlen werden Serumelektrolyte (Magnesium, Calcium, Kalium), Nierenwerte (Kreatinin, GFR) und ein Blutbild; bei höheren Vitamin-C-Dosen zusätzlich der G6PD-Status.
Was kostet ein Myers Cocktail?
Die Kosten richten sich nach Zusammensetzung und Sitzungszahl. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten eines Myers Cocktails in der Regel nicht; konkrete Preise nennt die behandelnde Praxis oder Apotheke.
Fachlich geprüft am30. Mai 2026Katerina Petrovska · Approbierte Apothekerin
Über den Autor
Katerina Petrovska
Approbierte Apothekerin · Aposchwan

Approbierte Apothekerin mit Schwerpunkt Infusionstherapie und individuelle Rezeptur. Berät Praxen und Heilpraktiker zu Indikation, Mischbarkeit und Bezug von Infusionslösungen.

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